Donnerstag, 24. November 2011

Custommade: Ein Plattenschrank nach Maß! [Info]


Ich war genervt. Einerseits von der Tatsache, dass ich meine mühsam angesammelten Schallplatten in verschiedenen Cases, Koffern und Regalen über die gesamte Wohnung verteilt aufbewahren musste. Andererseits davon, in diesem Chaos nichts, aber auch wirklich nichts mehr zu finden. Beides hatte zur Folge, dass in den eigenen vier Wänden so gut wie keine Platte mehr lief. Eine Situation, die dringender Änderung bedurfte.

So kam ich an den Punkt, mich entscheiden zu müssen. Entweder ich trenne mich von all meinem schwarzen Gold - was einen explosionsartigen Anstieg des Kontostandes zur Folge gehabt hätte - oder ich investiere in die Rettung des Vinyls und sehe mich nach einem optimal-funktionalen Aufbewahrungsmöbel um, welches sich in einem Satz beschreiben lässt:

Ein DJ-Pult inklusive integriertem Plattenschrank mit Platz für 12" Vinyl und effizientem Stauraum für 7"-Singles.

Also riskierte ich einen Blick in das Sortiment der üblichen Möbelhäuser und DJ-Shops, welches mich allerdings schon nach kurzer Zeit auf den Boden der Tatsachen zurück holte. Zwar gibt es Pulte und Regale, zum Teil auch in Kombination, die aber gerade für 7"-Singles einfach auch nur wieder suboptimal sind.

Die Singles in Cases und Kisten zu packen und diese wiederum in die Fächer des Regals zu stellen, war nämlich nicht mein Ziel, sondern das eigentliche Problem, das ich zu lösen versuchte.

Was also tun? Ich fertigte eine durchdachte Skizze meines Wunschmöbels an und ging damit zum Schreinermeister in meiner Nachbarschaft. Ein extrem netter und sympathischer Typ, der mir einen kompetenten Eindruck und wirkliches Interesse an meinem Anliegen vermittelte.

Alles super soweit, bis zum Kostenvoranschlag: dieser trieb mir kurzzeitig das Wasser in die Augen und ließ mich überlegen, ob die zu erwartende Explosion des Kontos beim Verkauf der Platten nicht doch die bessere Alternative zu einem eventuell bevorstehenden Einbruch mit Ansage sei. Klar, allein das Material kostet, das Know-How kostet, die Arbeitszeit kostet. Aber ich bekomme auch was dafür: ein individuelles Einzelstück - die Definition von "custommade" sozusagen!

Nach einigen schlaflosen Nächten, Tagen reiflicher Überlegung, diverser Absprachen bezüglich Maße, Ausführung, Material und Design, entschied ich mich schließlich für die Auftragserteilung. Zwei weitere Wochen später war es dann soweit:

Grob geschätze 150 Kilo wurden vom Schreinermeister und mir über genau gezählte 50 Stufen geschleppt, um das schöne Stück an seinem endgültigen Bestimmungsort in meiner Bude zu platzieren.

Ich habe lange überlegt, ob ich diese Geschichte tatsächlich veröffentlichen soll. Da aber im Internet bis auf "Expedit" und Konsorten so gut wie nichts zu finden ist, könnte der Artikel eine echte Anlaufstelle für Ratsuchende sein.

Denn falls IKEA den persönlichen Anforderungen nicht gerecht wird, hat es keinen Sinn, groß weiter zu suchen. Der Gang zum Schreiner - oder bei entsprechender Begabung (die mir leider verwehrt ist) zum nahegelegenen Baumarkt - bleibt wohl unausweichlich.

"Ja", es war teuer und "nein", ich bin nicht reich. Aber jeder, der sich zwei Technics 1210er, einen ordentlichen Mixer und hunderte Kilos Vinyl in die Wohnung stellen kann, kann sich so ein Möbel ebenfalls leisten.

Die Frage ist nur, ob man das auch wirklich will und in meinem Fall war es mir die finanzielle Aufwendung wert. Außerdem kann ich in der guten Stube endlich wieder gepflegt meine Schallplatten spielen. Im Moment läuft übrigens "If I Were A Carpenter" von Ernest "Soul" Wilson.

Kommentare:

  1. Super Uwe!
    Natürlich ist das Vinyl Lagerproblem bei deinen "5" Platten sehr einfach lösbar. Ich hab da schon mal an sowas gedacht.

    http://haenel.de/App/WebObjects/XSeMIPSHAENEL.woa/cms/page/locale.deDE/pid.63.69.156/ecm.p/Lean-Lift%C2%AE.html

    :)

    Viele Grüße

    Jazzus

    AntwortenLöschen
  2. Hast Du das gebaut? Wäre aber doch etwas über´s Ziel hinaus... :-)

    AntwortenLöschen
  3. Salut Uwe,
    ein feines Möbelstück und in den Schubladen stecken bestimmt Foundation Raritäten. Ich habe mich zuhause komplett mit Ikea Ivan angedeckt. Ist nicht so stabil, aber variabel.

    AntwortenLöschen
  4. hey uwe,
    das teil ist echt der hammer.
    was hast du denn dafür bezalt???

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke, den Preis behalte ich für mich.

      Löschen
  5. Super! Danke, danke danke für diesen Post, den ich komischerweise nach ewigen Internet-Recherchen erst jetzt finde. Es gibt ja sowas ähnliches für 12000 Pfund aus England, aber ich habe immer gedacht, dass ein ordentlicher Schreiner das auch hinkriegt. Problem ist wohl das Gewicht der Schubladen und die entsprechende Belastung auf den Auszügen... Aber scheint ja geklappt zu haben!
    Ich hätte das ganze dann noch gerne mit zusätzlichen Schubladen für LPs, das wär' perfekt. Aber da wird's mit dem Gewicht vielleicht wirklich haarig...

    Also: DANKE und viel Spaß beim Musikhören. :)
    Daniel

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke für Deine Ausführung! Tatsächlich ist hier das Gewicht nicht zu unterschätzen, auch im "Leerlauf".

      Löschen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...